Feuchtgebiet Eschenkar

Renaturierung eines der letzten Moorgebiete im hessischen Spessart

19. Mai 2015

Lions unterstützen heimischen Naturschutz

Bad Orb. Zu einer kurzen Abend-Wanderung zum „Feuchtgebiet Eschenkar“ im südwestlichen Stadtwald von Bad Orb trafen sich am 12. Mai etwa 30 Mitglieder und Ehefrauen des „Lions-Club Bad Orb-Gelnhausen“ auf dem Waldparkplatz „Hartmannsheiligen“. Lions-Sekretär Dr. Jürgen Blumenthal und Lions-Vorstandsmitglied Heinz Josef Prehler hatten die Veranstaltung geplant und bestens vorbereitet. Allerdings setzte passend zum „feuchten“ Ziel gleichzeitig mit dem Start zum Spaziergang ein kurzes Gewitter mit Temperaturrückgang und Regen ein. Susanne Hufmann und Günter Könitzer von der GNA berichteten und erläuterten fesselnd unter anderem folgende Themen (Auszug aus der PM des Lions Club Bad Orb-Gelnhausen vom 19.05.2015): 

 

... Ursprünglich war das Eschenkar ein bäuerlich genutztes Wiesental. Nach Aufgabe der Landwirtschaft forstete man großflächig auf. Der Bad Orber Fichtenwald entstand. Schon in den 1980er Jahren wandelte man das mittlere Eschenkar in ein Feuchtgebiet um. Heute ist hier die Entwicklung zu einem Moor besonders gut zu beobachten. Für Spaziergänger legte die Stadt Bad Orb einen Bohlensteg durch die moorigen Flächen des Eschenkar, um ungestörte Naturbeobachtungen und einzigartige Eindrücke zu ermöglichen.

 

Mehr Artenvielfalt ist ein wichtiges Ziel der Naturschutzmaßnahmen, die seit 2009 kontinuierlich realisiert wurden. Die Maßnahmen reichen von der Renaturierung des Moors über die Anlage von Biotopen bis zur Rückverlegung des Lämmerbaches. Um die besonnten Flächen für Torfmoos und Sonnentau zu vergrößern, werden Fichten und andere Gehölze entfernt. Ein hoher Wasserspiegel verhindert die weitere Ausbreitung der Fichte. Tümpelreihen fördern Amphibien wie Grasfrosch und Kammmolch, aber auch Insekten wie die Quergestreifte Quelljungfer oder die Blauflügelige Prachtlibelle.

 

Ein neu aufgelegtes Artenschutzprogramm der GNA soll die letzten Kreuzottern im hessischen Spessart fördern und erhalten. ...

 

Pressebericht Lions Club Bad Orb-Gelnhausen
PM_Feuchtgebiet Eschenkar.pdf
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Eine Tafel des neuen Lehrpfades steht am Bohlensteg, der in das Moor führt. (c) GNA 2015
Günter Könitzer (GNA), Armin Desch (Bad Orb) und Ulrich Stöcker (DUH) begutachten die Renaturierungen im Feuchtgebiet Eschenkar (c) GNA 2014

Nov. 2014

Moorlehrpfad eröffnet 

Moorig-sumpfige Flächen, naturnahe Waldtümpel, Torfmoos und Sonnentau – das Feuchtgebiet Eschenkar hat sich zu einem Kleinod im hessischen Spessart entwickelt. In enger Zusammenarbeit renaturierten die Stadt Bad Orb und die GNA in den vergangenen Jahren eine für Hessen sehr seltene Moorlandschaft.

 

Finanzielle Unterstützung erhielt das ambitionierte Vorhaben von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und der Telekom Deutschland aus dem Naturschutzfonds "Lebendige Wälder". Zum Abschluss des Projektes entwickelte die GNA einen Moorlehrpfad, der nun der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

 

Schon 2009 kooperierten die Stadt und die GNA bei der Anlage einer ökologisch wertvollen Waldtümpelkette im damals noch fichtendominierten Eschenkar, die heute vor allem vielen bedrohten Amphibienarten eine Heimstatt bietet. „Anfang 2012 wurde dann das eigentliche Moor in mühevoller Handarbeit von Fichten und anderem Gehölz befreit,so dass die besonnten Flächen vergrößert werden konnten. Mit dabei waren viele ehrenamtliche Helfer und Helferinnen der Natur- und Vogelschutzgruppe Bad Orb, ohne die die Aktion nicht möglich gewesen wäre.“, berichtet Bürgermeisterin Helga Uhl. Im Januar 2013 dann realisierten Revierförster Armin Desch und die Naturschützer der GNA mehrere große Feuchtbiotope. Im Zuge der Maßnahmen wurde auch ein Bach zurückverlegt, der nun wieder durch einen kleinen Erlenbruch fließt.

 

Der neue Moorlehrpfad entlang des Wanderweges Nr. 14 erklärt auf zwei reich bebilderten Informationstafeln viele Aspekte eines besonders interessanten Lebensraums. Der ständige Wasserüberschuss führt in Mooren zu Sauer- stoffmangel und damit zu einem unvollständigen Abbau pflanzlicher Reste, die als Torf abgelagert werden. Der interessierte Besucher erfährt, dass Torfmoose für die Moorentstehung unverzichtbar sind und dass es im Eschenkar „fleischfressende Pflanzen“ gibt. Der Insektenfang durch tentakeltragende Blätter, an deren Ende Drüsenköpfchen ein klebriges Sekret ausscheiden, ist eine besondere Anpassung an die nährstoffarmen Bedingungen, mit der sich der Sonnentau mit Stickstoff versorgt.

 

Artenvielfalt durch Naturnähe

 

Ziel der weitreichenden Maßnahmen ist die Erhöhung der Artenvielfalt. „Viele Arten und Lebensräume in unseren Wäldern sind akut gefährdet.“, erläutert Ulrich Stöcker, Leiter des Bereichs Naturschutz, das Engagement der Deutschen Umwelthilfe. „Der Naturschutzfonds Lebendige Wälder von Telekom Deutschland und DUH unterstützt deshalb vorbildliche und herausragende Projekte, die maßgeblich zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.“

 

Besonders gefördert wird die stark gefährdete Gelbbauchunke. Auch Amphibien, für die zurzeit nach der Roten Liste lediglich eine Vorwarnung besteht, wie für den Grasfrosch oder den Kammmolch, profitieren von dem Projekt. Der Feuersalamander, - zurzeit in Hessen nicht gefährdet - wird sich in seinem neuen Lebensraum ebenfalls wohl fühlen. Weitere Zielarten sind seltene Libellen, darunter die Blauflügelige Prachtlibelle und die Quergestreifte Quelljungfer. Waldschnepfe und Schwarzstorch, der heute schon Nahrungsgast ist, werden außerdem gefördert.

  

GNA Biologin Susanne Hufmann: „In diesem Jahr legte die GNA zusätzlich ein Schutzprogramm für die vom Aussterben bedrohte Kreuzotter auf. Dazu ließ man sehr große Steinwälle in die Erde ein, in denen die Kreuzotter, aber auch andere Reptilien, Amphibien wie Frösche, Kröten, Unken und Kleintiere frostsicher überwintern können.“

 

Vom Spessartbogen, dem Premiumwanderweg zwischen Langenselbold und Schlüchtern, ist ein Abstecher in das Feuchtgebiet Eschenkar möglich. Quer durch das Moor führt schließlich ein Bohlensteg, den die Stadt Bad Orb anlegte, um Spaziergängern ungestörte Naturbeobachtungen zu ermöglichen. Die GNA veröffentlichte ein Projektfaltblatt, das kostenlos angefordert werden kann und veranstaltet in jedem Frühjahr eine öffentliche Führung durch das Feuchtgebiet.

 

So finden Sie zum Feuchtgebiet Eschenkar: 
 

Link zur Karte mit Wegenetz

Wegbeschreibung zum Eschenkar.pdf
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Weitere Projektnachrichten

 

In bewährter Zusammenarbeit mit der

Kurstadt Bad Orb legte die GNA im Feuchtgebiet Eschenkar Ende Februar 2013 Waldtümpel an.

Ziel der wichtigen Naturschutzmaßnahme ist eine größere Artenvielfalt, die durch mehr Naturnähe erreicht werden soll.

 

Nach über einem Jahr Planungs- und Genehmigungszeit realisierten der städtische Förster und der erste Vorsitzende der GNA, Günter Könitzer, gleich mehrere große Feuchtbiotope unterhalb des Moorstandortes im Bad Orber Wald. Die umfangreichen Erdarbeiten - zunächst von einem erneuten Wintereinbruch begleitet - konnten trotz der widrigen Wetterverhältnisse zügig umgesetzt werden. Die Ufer der neuen Waldtümpel zog man zumindest an einer Seite sehr flach aus, denn die sechs Stillgewässer dienen in Zukunft seltenen und bedrohten Amphibien als Laichplatz und Lebensraum. 

 

Wahrscheinlich wurde das Eschenkar in der Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt, denn zur Entwässerung des Tales verlief in westlicher Richtung der Lämmerbach am Fuß eines Hangs. Im Zuge der Maßnahmen wurde aber auch er zurückverlegt. Nun vernässt der Bach wie früher ein erlenbruchartiges Waldstück, um unterhalb wieder in seinem ursprünglichen Bett zu fließen. Zusätzliches Totholz schafft Strukturen im Fließgewässer.

 

Projektdarstellung der Stadt Bad Orb [Weiter]

Presseecho 2015

Artenschutz in Bad Orb - Lebensraum für die Kreuzotter
Hanauer Anzeiger vom 16.05.2015.jpg
JPG-Datei [287.9 KB]

Presseecho 2014

Einzige in Deutschland heimische Giftschlange
Anm.: Es muss heißen:"Einzige in Hessen heimische Giftschlange"
Hanauer Anzeiger vom 24.05.2014.jpg
JPG-Datei [655.9 KB]
Moorlehrpfad im Feuchtgebiet Eschenkar eröffnet
Neue Attraktion in der Kurstadt Bad Orb
Hanauer Anzeiger vom 20.11.2014.jpg
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Presseecho 2013

Waldschnepfe und Kammmolch sind willkommen
DUHwelt 3_2013.jpg
JPG-Datei [448.9 KB]
Auf dem langen Weg zum Moor
Mainecho vom 3.07.2013.jpg
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Jagdrevier für Quelljungfern und Schwarzstörche
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.06[...]
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Lebensraum für die Kreuzotter schaffen
Hanauer Anzeiger vom 15.06.2013.jpg
JPG-Datei [525.1 KB]
Neues Leben im alten Moor
Gelnhäuser Neue Zeitung vom 26.03.2013.j[...]
JPG-Datei [1.2 MB]

Moore sind wertvolle Extremstandorte. Der hoch anstehende Wasserspiegel hat zur Folge, dass bereits wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche ein Mangel an Sauerstoff herrscht. Dies führt zu ei­nem unvollständigen Abbau der pflanzlichen Reste. Torf lagert sich ab. Nährstoffe sind kaum vorhan­den und der pH-Wert des Bodens ist sehr niedrig. Nur eine moortypische Fauna und Flora ist an diese extremen Verhältnisse angepasst. In Hessen sind lediglich 0,05 % der Landesfläche Hochmoore.

 

Die GNA beabsichtigt daher - in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Orb - einen der im hessischen Spessart seltenen Moorstandorte zu renaturieren und weiter zu entwickeln. Zudem soll durch die Anlage neuer Feuchtbiotope die Artenvielfalt im Bad Orber Stadtwald, der durch einen sehr hohen Fichten- anteil geprägt ist, erhöht werden.

 

Unsere naturschutzfachlichen Ziele:

  • Erhalt, Förderung und Neubildung des moorbildenden Torfmooses.
  • Vergrößern der Flächen für den Rundblättriger Sonnentau und Fieberklee, die in die freiwerdenden, belichteten Moorstandorte einwandern werden.
  • Erhalt und Förderung von Amphibien und Reptilien.
  • Wiederherstellen der auentypischen Gewässerstruktur durch Rückverlegung des Lämmerbaches in seine ursprüngliche Tallage.
  • Wiederherstellen eines natürlichen Quellaustrittes.

 

Das ganze Jahr über herrschen in einer Quelle konstante Bedingungen. Die Wassertemperatur schwankt zwischen 6 und 10 Grad Celsius. Der Sauerstoff- und Nährstoffgehalt ist – wie im Grundwasser – niedrig, die Strömung schwach.

Auch Quellen sind einzigartige Lebensräume, die nur von Spezialisten der Tier- und Pflan­zenwelt besiedelt werden können. Quelltümpel sind ideale Kinderstuben für die Larven der Zweigestreiften Quelljungfer und des Feuersalamanders.

 

Unsere Maßnahmen in Stichworten:

  • Renaturierung des Moores: Freistellen des Moores von Gehölzaufwuchs und Entnahme der Fichten mit Wurzelteller. Erhöhung der Wasserspiegel- lage zur Förderung der Moorbildung und zur Verhinderung der Fichten- ausbreitung.
  • Erweiterung der Feuchtbiotope: Anlage von Waldtümpeln in Fortsetzung bereits kaskadenar­tig angelegter Feuchtbiotope als Lebensraum für eine Reihe seltener und bedrohter Amphibienarten. Naturnahe Umwandlung des gesamten Feuchtbiotopes.
  • Großflächiges Zurückdrängen der Fichten-Monokultur: „Entfichtung" im Umfeld des Feucht­gebietes Eschenkar. Einbau der Fichtenwurzelteller als zusätzliche Lebensraumstrukturen.
     

Vorgeschichte des Projektes 

 

Poster
GNA_Flyer_1_2012_Renaturierung Moor Bad [...]
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Presseecho 2012

Fichten gehören nicht ins Moor
Magazin_DUHwelt_3_2012.jpg
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Exkursion ins Feuchtgebiet
Hanauer Anzeiger vom 14.05.2012.jpg
JPG-Datei [227.7 KB]
Pflegeeinsatz im Stadtwald
Gelnhäuser Tageblatt Extra 28_03_2012.jp[...]
JPG-Datei [896.8 KB]
Neues Zuhause für Kreuzotter und Co.
Gelnhäuser Tageblatt_23.03.2012.jpg
JPG-Datei [877.4 KB]
Das Bad Orber Moor wird renaturiert
Gelnhäuser Tageblatt vom 4.02.2012.jpg
JPG-Datei [1.2 MB]
Wertvolles Moor und seltene Tiere
Frankfurter Rundschau vom 3.02.2012.jpg
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Das Projekt "Biodiversität im Bad Orber Stadtwald - Artenvielfalt durch Naturnähe" wird gefördert mit Mitteln des Naturschutzfonds Lebendige Wälder von Telekom Deutschland und der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

 

Wir danken für die Unterstützung

Projektdarstellung der Deutschen Umwelthilfe [Weiter]