Waldtümpel in Bad Orb

Lebensraum und Refugium für Torfmoose und Waldschnepfen im Michelin-Zukunftswald

Im September 2009 entstanden auf einem Anfang des Jahres noch mit Fichten bestandenen Waldstück im Bad Orber Stadtwald wertvolle Feuchtbiotope: Waldtümpel, die vielen einheimischen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen sollen.

 

Das Projekt war für Diplom-Ingenieur Armin Desch, der im Auftrag der Stadt Bad Orb den kommunalen Wald bewirtschaftet, nicht die erste Zusammenarbeit mit der GNA. Der Waldfachmann initiierte außerdem schon 2008 - gemeinsam mit Naturefund e.V. - den ersten Michelin Zukunftswald in Bad Orb

 

Das Ergebnis dieser Kooperation kann sich sehen lassen: 25.000 Rotbuchen wachsen inzwischen standortgerecht in den Lichtungen monotoner Fichtenkulturen, die den Wald um den Kurort im hessischen Spessart prägen. Natur und Klimaschutz profitieren gleichermaßen von einem Waldumbau. Fichtenmonokulturen sind sehr anfällig gegen Schädlinge und Stürme. Allein der Borkenkäfer vernichtete in der Vergangenheit mehr als 30 Hektar Orber Wald.


Und auch diesmal musste die Fichte weichen - nicht wieder durch den Borkenkäfer, sondern durch die Säge. Entlang eines Waldweges nahm Desch einen Fichtenriegel, der sich auf einem ungeeigneten, da feuchten Standort befand, vollständig heraus. Luft und Licht drang nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder bis zum Waldboden. Dies führte zu einer rasanten Entwicklung der unteren Krautflur.

 

Torfmoos, von entscheidender Bedeutung für die Entstehung von Zwischen- und Hochmooren, breitete sich aus. Hervorragend an das saure Milieu eines ehemaligen Fichtenstandortes angepasst, sind Torfmoose in Trockenzeiten in der Lage, ihren Stoffwechsel auf ein Minimum zu reduzieren. Ebenso sind sie lebende Wasserspeicher, die mit Hilfe großer toter Zellen in ihren Blättchen das 30fache ihrer Trockenmasse an Wasser einlagern können.


Mehrere unterschiedlich große Waldtümpel, terrassenförmig angelegt, säumen nun den Weg. Bei der ökologisch behutsamen Anlage sparten der Förster Desch und Günter Könitzer von der GNA die Torfmoospolster als Initiale für die weitere Besiedlung des Areals aus. Der Waldumbau wird dem Ökopunktekonto von Bad Orb gutgeschrieben, dafür finanziert die Stadt die Maßnahme.


Die Stadt Bad Orb und die GNA erhoffen sich eine Vielzahl von neuen Wald- bewohnern, darunter Großinsekten und ihre Larven wie bspw. Libellen oder Amphibien wie der seltene Feuersalamander. Aber auch bedrohte Arten wie die Gelbbauchunke könnten hier bald eine Heimstatt oder einen Trittstein finden. Und sogar die scheue Waldschnepfe, ein Einzelgänger der feuchten Laub- und Mischwäldern und in der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt, findet vielleicht in Zukunft im Bad Orber Stadtwald wieder einen Nahrungs- und Rastplatz.