Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) in extensiv genutzten Grünlandbeständen und Auewiesen

 

Rückdrängung der zunehmenden Ausbreitung durch ein natur-verträgliches Bewirtschaftungskonzept (modifizierte Bewirtschaftung)

 

Das Projekt hat die Rückdrängung der in allen Bestandteilen hochtoxischen Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) aus extensiv genutzten Grünland-beständen im Rhein-Main-Gebiet (westlicher Main-Kinzig-Kreis) zum Ziel.

 

Ihre Ansprechpartnerin:

 

Ann Kristin Bauer, M.Sc. | Telefon: 06184 - 93 95 939 | gna.bauer@web.de

 

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Hintergründe

 

Das bisher naturverträglich erzeugte Mähgut, das üblicherweise als Tierfutter Verwendung findet, ist derzeit nicht mehr verkäuflich. Hohen finanzielle Einbußen und eine kostenintensive Entsorgung können sich für die wirtschaftenden Landwirte langfristig existentiell bedrohend auswirken.

 

Die bis heute auf den Grünlandflächen im unteren Kinzigtal, insbesondere in Erlensee und Langenselbold, aber auch in Rodenbach, Gründau und Hasselroth entstandene Situation ist aber nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch aus Naturschutzsicht als sehr ernst zu bezeichnen. Auf Initiative der Stadt Langenselbold kommt es daher zu einem außergewöhnlichen Novum, zur zielorientierten Kooperation von Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz.

 

Grünland stellt grundsätzlich eine breite Palette überwiegend anthropogen geprägter Lebensräume dar, die nur durch regelmäßigen Schnitt erhalten werden können. Aspektbildend sind Gräser und Kräuter in mehr oder weniger geschlossenen Beständen.

 

Die Vegetation der Wiesen, und mit ihr eine charakteristische Tierwelt, erfuhr in der Vergangenheit durch die Intensivierung der Bewirtschaftung (häufige Mahd, Düngung, Drainage, Herbizide, Neueinsaat) einen einschneidenden Wandel bis hin zur Gefährdung ganzer Tier- und Pflanzengesellschaften, mit der negativen Folge einer eklatanten Abnahme an Artenvielfalt.

 

Durch die „Extensivierung“ (keine Düngung, keine Entwässerung, wenige und zeitlich festgelegte Mahdtermine) entstanden in der Kulturlandschaft an der unteren Kinzigaue in den letzten Jahrzehnten botanisch sehr hochwertige Lebensräume, die eine Vielzahl seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten beherbergen.

 

Wiesentypische Arten brauchen den Eingriff der Mahd, der die Sukzession immer wieder zurückstellt. Im Focus des Naturschutzes stehen hierbei die wiesenbrütenden Vogelarten (Limikolen) wie Kiebitz, Bekassine, Großer Brachvogel, aber auch der Weißstorch sowie Amphibien wie der stark gefährdete Laubfrosch, der Kammmolch oder die Gelbbauchunke. Eine weitere wichtige Tiergruppe stellen Insekten dar, darunter Tagfalter und andere.

 

Insbesondere der moderne Wiesenvogelschutz benötigt variable Mahdmuster in der Fläche und über die Zeit, um in der Brutzeit immer wieder Brut-, Nahrungs- und Rückzugsräume anzubieten. Die wie bisher auf den 15. Juni festgelegten Mahdtermine führten in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass – je nach Wetterlage – das gesamte Grünland auf einen Schlag geräumt war, worauf unter anderem der starke Rückgang der Wiesenbrüter und vieler anderer betroffener Arten zurückgeführt werden muss.

 

Moderner Wiesenvogelschutz und die Rückdrängung der Herbst-zeitlosen können sich im Rahmen des Projektes auf geeignete und hervorragende Weise ergänzen.

Im Ballungsraum Main-Kinzig besitzen artenreiche Auenwiesen zudem für die Menschen der Region einen sehr hohen Erholungswert. Wenn die betroffenen Flächen durch die Landwirtschaft zukünftig nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden können, drohen sie innerhalb weniger Jahre zu verbrachen und zu verbuschen mit allen Folgen eines Verlustes an Biodiversität.

 

Das Projekt wird den regionalen Artenreichtum fördern und damit die Region für die Naherholung sichern und attraktiver machen. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes sind auch Informationstafeln in Form eines Lehrpfades am Hessischen Radfernweg R3, der den Menschen in der Region die Kulturlandschaft mit ihrer Artenvielfalt näher bringen soll.

 

Deshalb soll mit einem als innovativ zu bezeichnenden Pilotprojekt der zunehmenden Ausbreitung der Herbstzeitlosen durch eine modifizierte, naturverträgliche Bewirtschaftung (variable Mahdmuster / verschiedene Mahdzeiten) entgegengewirkt werden, um sie schließlich auf ein verträgliches Maß zurückzudrängen.

 

Das Gesamtvorhaben basiert auf dem strategischen Ansatz „Schutz durch Nutzung“ und setzt ganz bewusst auf die Kooperation mit der örtlichen Landwirtschaft. Wissenschaftliche Projektpartner der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung sind der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und die Untere Naturschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreis.

 

Die Kartierungen werden von einer Umweltwissenschaftlerin (M.Sc.) durchgeführt, die Bestände der Herbstzeitlosen qualitativ und quantitativ erfasst und auswertet. Die Ergebnisse fließen in ein wissenschaftliches Konzept und in Maßnahmenempfehlungen, die direkt zur Umsetzung kommen.

 

Die im Projektverlauf ermittelten Daten und wissenschaftlich aufbereiteten Erkenntnisse sind übertragbar, werden allen Betroffenen zur Verfügung stehen und als Konzept zukünftig in der Region Anwendung finden. Ebenso sollen die Ergebnisse in Zwischen- und Abschlussberichten sowie mit Hilfe anderer medialen Formen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

Das Projekt hat nicht zuletzt durch den Erhalt der Kulturlandschaft

in den Flussauen an der Kinzig einen sehr großen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger der Region (Erholungswert) und kommt

damit in besonderer Weise dem Gemeinwohl zugute. 

 

 

Exkursionen und andere Veranstaltungen

RTL Hessen | Sendung vom 26.09.2016
Die Herbstzeitlose - Giftige Schönheit
2016-09-26-maz-giftig-01-151557269.mp4
MP3-Audiodatei [15.6 MB]

Veröffentlichungen

Bauer, A.K.
Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) in extensiv genutzten Gründlandbeständen und Auewiesen
Seite 149-160, 6 Abb.

 

erschienen 2016 im Themenband Auen (Geschichte - Hochwasser - Naturschutz) der Jahresberichte der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegr. 1808

Pressemitteilungen

GNA Presse | 7.06.2016
Versuchsfeld zur Erprobung von Herbstzeitlosen-Bekämpfungsmaßnahmen angelegt
Presse_GNA_17_2016_Versuchsfeld zur Erpr[...]
PDF-Dokument [81.9 KB]
GNA Presse | 24.03.2016
Projekt zum Erhalt artenreicher Auenwiesen geht in das zweite Jahr
Presse_GNA_10_2016_Projekt zum Erhalt ar[...]
PDF-Dokument [80.0 KB]
GNA Presse | 28.01.2016
Die Herbstzeitlose – ein Problem!?
Kostenloser Flyer zum neuen Großprojekt ab sofort erhältlich
Presse_GNA_2_2016_Die Herbstzeitlose – e[...]
PDF-Dokument [68.9 KB]
MKK Presse | 27.01.2016
Kooperationsbündnis startet ein Projekt für Erhalt der Feuchtwiesen
Ohne landwirtschaftliche Pflege geht biologische Vielfalt verloren
Presseinformation Main-Kinzig-Kreis vom [...]
PDF-Dokument [74.8 KB]
MKK Presse | 13.03.2015
Einmalige Kooperation für eine nachhaltige Landbewirtschaftung
Giftige Herbstzeitlose wird gemeinsam in die Schranken gewiesen
Presseinformation Main-Kinzig-Kreis vom [...]
PDF-Dokument [88.7 KB]

Presseecho (Auswahl)

Klein und giftig: "Stecker ziehen"
Naturschützer und Bauern bekämpfen die Ausbreitung der Herbstzeitlosen auf Wiesen - Heu wird unbrauchbar
Hanauer Anzeiger vom 2.09.2016.jpg
JPG-Datei [887.5 KB]
Kampf um die biologische Vielfalt an der Kinzig
Hanauer Anzeiger vom 4.02.2016.jpg
JPG-Datei [555.6 KB]
Schöne Pflanze mit gefährlichem Inhalt
Hanau Post vom 29.01.2016.jpg
JPG-Datei [354.4 KB]
Bündnis gegen giftige Herbstzeitlose
Hanauer Anzeiger vom 16.03.2015.jpg
JPG-Datei [4.7 MB]